Vorträge

Um die Vielfalt der Freimaurerei und ebenso die Vielfalt unserer Loge zu illustrieren, haben wir hier einige auf Gästeabenden gehaltene Vorträge zusammengestellt. Wir weisen darauf hin, daß jeder Freimaurer seine ganz persönliche Sicht auf die Freimaurerei hat - die im folgenden geäußerten Meinungen sind also keine Dogmen, sondern die persönlichen Auffassungen des jeweiligen Autors. Sie können somit auch der Meinung eines anderen Bruders bzw. einer anderen Schwester widersprechen - sie sind also immer offen für Kritik und konstruktive Diskussionen.

"Melencolia I" von Albrecht Dürer, Kupferstich, 1514

Gästabend vom:

05.06.2009Gotische Dombauhütten
11.04.2008Toleranz im Islam
07.09.2007Die Bearbeitung des Steines
13.04.2007Vortrag zur Lichteinbringung
16.02.2007Das Ritual - Relikt, Notwendigkeit oder Tor zu Höherem?
21.04.2006Humanität und Freimaurerei
19.05.2005Toleranz und Freimaurerei
04.12.2004Das weibliche und das männliche Prinzip in der Freimaurerei
28.09.2004Ist Geiz geil?
25.03.2004Freimaurerei zwischen Tradition und Fortschritt
18.10.2002Die Freimaurer: Ein alter Weisheitsbund für die moderne Zeit

Die Bearbeitung des Steines

von Br. Andreas

Vorbetrachtung

Auf den ersten Blick scheint dieses Gebiet ein rein technisches oder handwerklich geprägtes zu sein. Genau genommen ist es das auch und der oberflächliche Betrachter wird wahrscheinlich nur die Arbeit des Steinmetz am materiell vorhandenen Stein sehen. Wir aber gehen davon aus, daß die geistige Arbeit am rauhen Stein und damit der Beitrag zu einem gemeinsamen edlen Werk das Höchste ist, dem sich ein Mensch widmen kann. Folglich bezeichnen wir damit letztenendes ebenfalls ein Handwerk, eine Kunst oder wenn wir wollen eine Arbeitstechnik. Zwei Fachgebiete also, die außer sprachlicher Gemeinsamkeiten und Bezeichnungen nicht viel zu verbinden scheint. Beginnt man jedoch, eines der beiden näher zu beschreiben, so sieht man um so mehr Gemeinsamkeiten je tiefer man vordringt und das anfangs Trennende wird zum Vereinenden. Das Symbol beginnt zu leben.

Und es ist dieses Leben, das aus den beiden verschieden wirkenden und doch so unzertrennlich seienden ein drittes hervorbringt. Das Kind aus Geist und Materie, das beide vereint und doch etwas besonderes für sich ist. Die Seele des Ganzen. Der Tempel der Humanität.

Für das Verständnis ist es also nötig, vorher jedes Einzelne zu betrachten um daraus das Einende zu erkennen. Doch jede der drei Betrachtungsweisen hat ihre eigene dreifache Unterteilung, die in ihrer Gesamtheit erst den Kern erkennen läßt.

Jeder Stein hat seine ganz eigenen Eigenschaften. Nach diesen richten sich der passende Einsatzort am Bauwerk für seinen optimalen Nutzen und natürlich auch die möglichen Bearbeitungsweisen um ihn nicht zu zerstören.

Jeder Mensch hat seine ganz persönlichen Eigenschaften. Sie müssen bei der Wahl seiner Aufgaben berücksichtigt werden, damit er sein Bestes auch geben kann. Und seine Eigenschaften zeigen auch, wie man den Mensch behandeln muß und was man ihm zumuten darf, damit er nicht verletzt wird oder zerbricht.

Das Werk soll einen ganz bestimmten Sinn haben. Es soll seinen Aufgaben gerecht werden und lange bestehen.

Daher möchte ich versuchen, die Bearbeitung des Steines aus dieser dreimal dreifachen Sicht zu beschreiben. Als erstes möchte ich dazu das Werk genauer betrachten, denn die Planung des Bauwerks ist die Grundlage für die Arbeit und die Auswahl des Materials.

Die Seele des Tempels

Sinn des Bauwerks soll die Zusammenführung all dessen sein, was gleichen Ursprungs ist, ohne eines davon auszugrenzen. Ob es nun Steine sind, die ,so unterschiedlich sie auch sein mögen, eines gemeinsam haben. Stein zu sein. Sie bestehen alle aus einem Gemisch von Mineralien. Oder ob es nun Menschen sind. Jeder anders, jeder einzigartig doch haben alle eins gemeinsam. Sie sind Menschen und sie haben alle den göttlichen Funken. Dieser Sinn beschreibt auch schon die Notwendigkeit. Eben keinen außen vor zu lassen, sondern irgendwie und scheint es noch so schwer, dem Bauwerk zuzuordnen und ihm seinen Platz zu geben.

Aufgabe des Bauwerks soll durch die Vereinigung der einzelnen Baustücke sein, daß jedes einzelne seine volle Schönheit und Geltung erhält und in der Gemeinschaft mit allen zusammen ein Bild vollendeter Harmonie ergibt. Und das durch Liebe und Toleranz die vielen kleinen Funken bündelt zu einem Licht, daß bis weit über die Grenzen des Universums hinaus strahlt und an den großen Baumeister aller Welten die Botschaft verkündet. „Es ist vollbracht! Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit in ihrem wahrsten und edelsten Sinn ist hier zu Hause!“ – Um das zu erreichen, muß jedes dort verwendet werden, wo seine besten Eigenschaften zur Geltung kommen. Sei es die besondere Gesteinsart, die eben nur an einer bestimmten Stelle im Bauwerk verwendet wird, weil sie für einen bestimmten Zweck genau die richtige ist. Und entsprechend bearbeitet werden kann, ohne dadurch beschädigt zu werden und ohne Makel ist. Oder sei es ein Mensch, der durch seine ganz bestimmten Eigenschaften eine ganz bestimmte Art von Aufgaben übernimmt, weil er dafür genau der Richtige ist. Nur dadurch kann die Gemeinschaft immer das Beste hervorbringen und in ihrer Gesamtheit im schönsten Glanz erstrahlen.

Bestand haben wird das Bauwerk nur, wenn kein Material entgegen seinen Eigenschaften verwendet wird sondern an seinem Platz den dort auftretenden Umständen gewachsen ist. Sonst würde es sich mit der Zeit abnutzen oder zerstört werden. Es könnte sogar das gesamte Bauwerk gefährden, sollte etwa ein Stein Last zu tragen haben, wenn er gar keine Last tragen kann. Oder aber ein Mensch, der entgegen seiner Art behandelt wird, Dinge von ihm gefordert werden, die ihm widerstreben, oder er Aufgaben bewältigen soll, die nicht seinem Wesen entsprechen. Er würde zerbrechen. In den Wohlklang der Harmonie würde sich ein leises Klagen mischen das man vielleicht überhört, doch seine Tränen würden die Fundamente unterspülen und die Illusion der vermeintlichen Eintracht würde wie ein Kartenhaus in sich zusammenstürzen. Aber wenn alles am rechten Platz ist und seiner Natur gemäß behandelt wird, dann wird das Ganze in Ewigkeit bestehen bleiben.

Geist und Körper des Tempels

Als Geist möchte ich die Quelle der Seele des Tempels bezeichnen, also den Mensch oder die Menschheit. Über den Körper, also richtige Steine, läßt sich zu guterletzt der Bezug zur materiellen Welt herstellen. Der Kreis des Symbols aus greifbarer Materie, gedanklichem oder fühlbarem Hintergrund als Seele und dem enthaltenen Prinzip, dem Geist als Verbindung zu höherem schließt sich damit.

Ich möchte Geist und Körper nicht getrennt voneinander betrachten, damit der erkennbare Zusammenhang nicht verloren geht, beziehungsweise leichter sichtbar wird. Es ist das Verhältnis von tatsächlich existierendem als etwas greifbares einerseits und tatsächlich existierendem als nicht greifbares andererseits. Dieses zeigt am deutlichsten den Bezug zum Höheren aus dem es entstand. Der Freimaurerei. Und es erklärt, warum ausgerechnet das Steinmetzhandwerk so viel gemeinsam hat mit dem Umgang mit Menschen.

Ich will also versuchen, jede Gesteinsart für sich zu betrachten und eine Beziehung zum Mensch herzustellen. Wie sie entstanden ist, welche typischen Eigenschaften sie hat, welche die üblichen Bearbeitungstechniken sind und wo am Bauwerk sie zum Einsatz kommen sollten. Dabei kommt es mir weniger auf die geologische oder zeitlich genaue Reihenfolge, sondern eher auf die Errichtungsphasen des Bauwerks, also den Zeitpunkt ihrer Verwendung an.

Tiefengestein – Granite, Syenite, Diorite: Entstehen tief im Erdinneren durch allmähliche Abkühlung und unter großem Druck. Sie sind feinkristallin und gleichmäßig, äußerst fest und widerstandsfähig gegen alle möglichen äußeren Einflüsse wie Witterung, Abrieb oder chemische Belastung. Wie der prinzipientreue, charakterfeste Mensch, der seine Arbeit macht und weder murrt noch klagt. Der Fels in der Brandung eben. Er hatte den gleichen Druck bei seiner Entstehung zu erdulden wie der Granit. Seine Umwelt machte ihn hart und die ihm entgegengebrachte Wärme kühlte langsam ab. Er ist ein Mensch, dem harte körperliche Arbeit nichts ausmacht und für Gefühle ist er nicht sehr empfänglich. Nichts bringt ihn so schnell aus der Ruhe und Launen kennt er nicht. Das ist das Material für die Fundamente, Grundmauern und Sockel. Menschen, die dir unbeirrbar zur Seite stehen. Diesen Werkstoff zu bearbeiten braucht Kraft und Ausdauer. Die besten Formen für ihn sind einfacher Natur. Mauerquader und Treppenstufen ohne Schnörkel und Schmuck. Bei der Arbeit am Granit muß man nicht zimperlich sein. Mit Spitzeisen, Fäustel und wohlgezielten festen Schlägen wird eine möglichst ebene Oberfläche gespitzt. Für glättere Flächen bei Treppenstufen etwa wird die gespitzte Fläche gestockt. Das geschieht mit einem dem Fäustel ähnlichen Hammer, der an seiner Unterseite viele pyramidenähnliche Spitzen besitzt. Wichtig ist nur, daß man den Hammer flach und gleichmäßig auf die Oberfläche treffen läßt um unerwünschte Vertiefungen zu vermeiden. So würde auch ein solcher Mensch an sich arbeiten. Mit dem Kopf durch die Wand, bis er klare Grenzen und Gesetze erkennt. Hat er diese einmal verinnerlicht, so wird er sie niemals brechen und anderen ein Beispiel an Kraft, Treue und Willensstärke sein. Doch er hat auch seine verwundbare Stelle, die Kanten, oder menschlich gesehen bestimmte Grenzen wie Gerechtigkeitssinn und Wahrheitsliebe. Wird seine klar abgesteckte Grenze berührt oder anders, kommen wir mit dem Hammer zu dicht an die Kante, dann wird sie absplittern. Hier muß mit scharfem Schlageisen, einem Flachmeißel, sauber und vorsichtig gearbeitet werden. Er wird auf seine Grenzen großen Wert legen und verlangt Respekt. Ignoriert man das, dann wird mehr zu Bruch gehen als erwartet. Im Übrigen gilt aber für alle Steine bzw. Menschen die goldene Regel: „Vorsicht bei den Kanten! bzw. Respektiere die Meinung des anderen!“ Auch sollte man nicht zuviel von ihm erwarten, was Kunst und Schöngeist angeht. Bei jedem Versuch und sei das Eisen noch so scharf, wird der gewünschte Schnörkel abbrechen, denn es entspricht nicht seinem Wesen. Er wird sich unverstanden fühlen und in ein Schneckenhaus zurückziehen. Oder anders ausgedrückt, der Stein wird immer kleiner, bis er beim Bearbeiten wegrutscht.

Ganggesteine – Diabas, Porphyr: Sie entstehen aus Magmaströmen, die in Felsgängen in Richtung Oberfläche drängen und auf dem Weg dorthin erkalten. Diese Abkühlung geschieht wesentlich rascher als bei Graniten und auch der Druck, unter dem das Abkühlen geschieht ist deutlich geringer. Diese Gesteine sind weniger dicht als Granit, aber immer noch fest genug, um hohen Belastungen stand zu halten. Sie bilden deutlichere Kristalle aus und neigen dazu, leicht porös und spröde zu sein. Je geringer der Druck, desto poröser und spröder. Man könnte sie fast mit dem Durchschnittsmensch vergleichen. Weniger Druck bringt eine deutlich ausgeprägte Persönlichkeit aber auch Eigenarten hervor. Sie sind durch ihre Erfahrungen den Gefühlen zugänglich, können dafür aber auch schnell mal gekränkt sein. Geht man mit Rücksicht darauf mit ihnen um, so sind sie eine verläßliche Stütze der Gemeinschaft. Dieses Material ist am besten für alle Arten von Mauerwerk im Außenbereich geeignet und kann unter Umständen sogar mit einfachen Profilierungen versehen werden, wenn da nicht gerade ein paar Kristalle sitzen. Sie lassen sich leichter bearbeiten als Granit und somit kommen neue Bearbeitungstechniken hinzu. Für eine saubere Fläche wird mittels Schlageisen ein sogenannter Schlag um die künftige Fläche gezogen, den man auch als Lehre bezeichnen kann. Man zeigt sozusagen dem durchaus verständigen Mensch, was das Ziel der Arbeit sein soll. Das in der Mitte nun hochstehende Material wird in mehreren Arbeitsgängen abgetragen, wobei Werkzeug und Methode immer feiner werden bis das gewünschte Ergebnis erreicht ist. Nach dem Spitzen wird die Fläche gezahnt. Dazu dient ein Eisen, das statt einer durchgehenden Schneide drei, vier oder mehr Spitzen hat. Je weicher das Material, desto mehr Spitzen können es sein. Dadurch können die vielen Unebenheiten beseitigt werden, die das Spitzen übrig ließ. Die jetzt schon relativ glatte Oberfläche kann nun noch schariert werden. Dazu verwendet man ein Schariereisen. Es ähnelt einem Flachmeißel, hat aber eine Schneide die meist zwischen 6 und 12 cm breit ist. Damit werden unter ständiger Kontrolle mittels Richtscheit sämtliche Unebenheiten abgetragen, bis die Fläche absolut eben ist. Die Ausrichtung des Schariereisens, die Abstände zwischen den Schlägen (das sind die Vertiefungen, die die Schneide hinterläßt) und die Tiefe der Schläge sind wie eine persönliche Handschrift des Steinmetzen und von Arbeiter zu Arbeiter oft völlig unterschiedlich. Es sei denn, das für die Vorderansicht aller Steine ein ganz bestimmtes Aussehen gewünscht wird. Aber an den Seitenflächen spielt das wohl weniger eine Rolle. Wichtig ist aber, daß man bei keinem Arbeitsgang zuviel Material auf einmal vor der Schneide stehen hat. Der Übereifer könnte bewirken, daß das abzutragende Gestein nicht dem Lauf der Fläche folgend eben wegbricht, sondern in die Fläche hinein eine Vertiefung reißt. So wie es wohl jedem „normalen“ Menschen gehen würde, der dabei ist, an sich zu arbeiten und sich zuviel auf einmal vornimmt. Ausgestattet mit einem gehörig dicken Fell und auch der Gefühlswelt offenstehend, weder blind noch taub und mit seinen ganz persönlichen Eigenarten aber eben auch verletzbar. Treten solche typisch, ausgeprägten Eigenarten oder Kristalle aber in der Oberfläche in Erscheinung, so bedürfen sie der Aufmerksamkeit. Ein falscher Schlag und das Kristall ist hin und da wo es war ist dann ein Loch. Oder anders ausgedrückt hat der Mensch eine empfindliche Stelle, die man mit besonderer Sorgfalt bearbeiten muß, oder mit der guten Laune ist es vorbei. Granite würden das als zickig bezeichnen wenn sie könnten.

Sedimentgesteine – Sandsteine: Die Entstehung des Sandsteines setzt als erstes die Zerstörung von Gestein voraus. So wie die Elemente Erde und Feuer, also Druck und Hitze, für die Entstehung benötigt werden sind die Elemente Luft und Wasser für das langsame Abtragen die wichtigsten. Das fünfte, die Zeit ist jedoch für beide Prozesse notwendig. Das abgetragene Material setzt sich nach und nach in Bodensenken, wie dem Meeresboden, je nach Korngröße als Kies oder eben Sand ab. Kommt jetzt nichts weiter hinzu, so ist es als Baustein verloren. Und dieses Bild sehe ich, wenn ich aus dem Fenster schaue. Menschen die durch alle möglichen Umstände zerbrochen sind. Als große Masse verloren im Meer der Tränen. Sie existieren zwar noch für sich und für die in der Nähe liegenden Körnchen, haben aber den Glaube verloren, jemals noch etwas besonderes leisten zu können. Den Ausspruch: „Was kann unsereins denn schon machen?“ hat wohl jeder schon einmal gehört. Doch man muß schon sehr genau zuhören und nachdenken, um zu erkennen, welche Verzweiflung eigentlich dazu gehört, so etwas zu sagen. Doch die Hoffnung stirbt zuletzt und aus der tiefsten Verzweiflung kann neues Vertrauen entstehen. Für Menschen können das neue Aufgaben sein, die er zu bewältigen hat um aus dem Erfolg neues Selbstvertrauen aufzubauen. Allerdings ist dies die schwächste Bindung, die beim kleinsten Versagen ernsthaft gefährdet ist. Oder eine Gemeinschaft, die ihn aufnimmt und ihm neuen Halt gibt. Aber auch Menschen verlassen einen ab und zu, und sei es durch den natürlichen Tod. Dann kann auch diese Bindung ihre Kraft verlieren. Manchmal ist es aber auch Erkenntnis, die einem oft unerwartet zuteil wird, sei sie nun wissenschaftlicher oder geistiger Natur. Sie ist das stärkste, was einen Mensch wieder aufbauen kann, weil er die neue Kraft in sich selbst trägt. Genau diese Vorgänge sind vergleichbar mit der Entstehung des Sandsteines. Die vielen Arten, die es gibt unterscheiden sich weitestgehend nur durch ihre verschiedenen Bindemittel.

Das schwächste Bindemittel ist der Ton. Diese Sandsteine sind äußerst weich und leicht verarbeitbar. Wie der Mensch, der froh ist, wenn er einfach nur gebraucht wird, lassen sie sich in jede erdenkliche Form bringen. Sei es nun ein einfacher Quader, ein kunstvolles Profilstück oder ein liebevoll gestaltetes Zierelement. Aber man muß behutsam mit ihnen umgehen. Fast alle Sandsteine sollten bei ihrer Bearbeitung naßgehalten werden, damit sie nicht splittern und die Eisen müssen stets scharf sein. So wie der verletzte Mensch die ständige Wärme seines Nächsten braucht und sich nicht allein fühlen darf. Manche tongebundene Sandsteine lassen sich im nassen Zustand regelrecht schnitzen und diese Eigenschaft steht für die Dankbarkeit dieser Menschen. Nur eine Politur werden wir niemals erreichen. Die körnige Struktur wird stets erhalten bleiben wie die Narben auf der Seele. Tongebundene Sandsteine sollte nur im Inneren des Gebäudes verwendet werden. So wie die gerade erst neuen Mut schöpfenden Menschen sind sie sehr empfindlich gegenüber schädlichen Einflüssen und das schwache Bindemittel Ton kann schon durch bloßen Regen ausgewaschen werden. Werden sie aber gut beschützt, so sind sie zu erstaunlichen Leistungen fähig. Alle Mauern im Inneren des Bauwerks können wir aus ihnen herstellen. Die Außenwände sollten zweischalig angelegt werden mit einem Luftraum dazwischen. Auf diese Weise muß man nicht zu viele harte Steine bearbeiten, denn die Innere Schale kann ebenfalls aus Sandsteinen gefertigt werden. Zum Einen danken sie es uns durch hervorragenden Schallschutz, vergleichbar mit der Treue eines Menschen den man gerettet hat. Zum anderen haben wir so mehr Platz und Einsatzmöglichkeiten für sie gefunden, denn ihre Zahl ist groß.

Der Kalk ist schon ein stärkeres Bindemittel und steht für die Gemeinschaft, die einem gebrochenen Herzen Halt gibt. Doch diese Gemeinschaft muß ständig aufrecht erhalten werden und darf nicht abreißen. Demnach darf auch der kalkgebundene Sandstein nur im Innern verbaut werden, da Kalk durch Wasser und chemische Einflüsse sehr leicht zersetzbar ist. Wird der kalkgebundene Sandstein aus der Gemeinschaft ausgeschlossen, also außen eingesetzt, so genügen schon aggressive Gase in der Luft, um die mühevoll aufgebaute Verbindung zu lösen und ihn dem Verfall preiszugeben. Der ständige Regen, also der ganz normale Wahnsinn des Alltags, tut dann am geschwächten Stein sein übriges und wäscht ihn zurück in das Meer, aus dem er kam. Im Innenbereich ist der Kalksandstein aber durchaus belastbar und selbst die Türgewände können wir daraus herstellen, weil er schon eine gewisse Abriebsfestigkeit besitzt. Allerdings haben alle Sandsteine ihre Schichten in denen sie sich abgelagert haben. Es ist ihre Geschichte die sie mit sich herumtragen, ihre empfindlichste Stelle. In dieser Richtung sind sie sehr leicht spaltbar und man sollte es tunlichst vermeiden, die alten Narben wieder aufzureißen. Man darf ihre Geschichte nicht zu oft ansprechen und auf den Kopf stellen. Das soll heißen, daß man Sandsteine, so fest sie auch sein mögen nicht anders als in ihrer Lagerrichtung einbauen sollte um Rißbildungen vorzubeugen. Außerdem erhalten wir so eine ebenmäßige Oberflächentextur. Die vielen, oft farbig abgesetzten, Schichten wirken wie ein steinernes Geschichtsbuch das uns stets daran erinnert, wie wichtig es für Menschen ist, einen Halt zu haben.

 

Das stärkste Bindemittel bei Sandsteinen ist Quarz. Es ist die Bindung aus sich selbst heraus, die mit Erkenntnis vergleichbar ist. Durch irgendwelche, mir nicht ganz klare, chemische Vorgänge ist Quarz in der Lage, sozusagen flüssig zu werden und jedes Körnchen Sand fest mit dem anderen zu verschmelzen. Diese Verbindung ist so fest, das fast nichts sie jemals zerstören kann. Ähnlich dem Mensch, der in seiner tiefsten Traurigkeit den Äther berührt und plötzlich beginnt, zu verstehen. Denn so unmöglich flüssiges Quarz in der Natur eigentlich vorkommen kann, so unmöglich kann einen die plötzliche Erkenntnis treffen. Unmöglich nach der Vorstellung von uns Menschen ja, aber absolut möglich für den Großen Baumeister. Und wer immer auch so etwas an sich selbst erlebt, der beginnt zu verstehen und irgendwie zu glauben. Und genau das ist es, was diese Verbindung so beständig macht und keine natürlich vorkommende Substanz kann sie zerstören. Es sei denn, ein Mensch stellt diese Erkenntnis in Frage oder beginnt, den Glaube zu untergraben. Und tatsächlich ist etwas von Menschenhand geschaffenes in der Lage, Quarz aufzulösen. Flußsäure. Man könnte sie vergleichen mit Atheismus und der Binsenweisheit, daß alles völlig natürlich und erklärbar ist und keine höhere Intelligenz dahinter steckt. Genauso ätzend wie diese These ist die Flußsäure. Sie hat das Vermögen, jedes Gestein zu zerstören und macht selbst vor Glas nicht halt, genau auf die selbe Weise, wie die Entfernung vom Wort uns dem Verfall ausliefert.

Doch davor kann man sich „zum Glück“ schützen. Und wurde ein Mensch noch so sehr verletzt, kann Glaube und Weisheit ihm ein so starker Halt sein, daß wir ihn getrost auch mal allein lassen dürfen. Ich will damit sagen, daß quarzitisch gebundener Sandstein auch im Außenbereich eingesetzt werden kann. Wir sollten ihn nur nicht zu oft auf die Probe stellen, das heißt, vor ständig einwirkendem Wasser schützen, sonst stumpft er ab. Aber in den durch Dachüberstand abgeschirmten Bereichen ist er in Sicherheit und wir können aus diesem Gestein die Gesimse, Fensterlaibungen, Türgewände und auch die Säulen des Vorbaus herstellen. Dadurch erreichen wir auch einen schönen Farbkontrast zum porphyrrot der Außenwand und dieser Kontrast trägt die Botschaft, daß Selbstbewußtsein aus Glaube und Wissen jeden Makel ausgleichen kann und dieser Mensch seinen Platz neben den „normalen“ durchaus behaupten kann. Ja in Entschlossenheit sie sogar übertrifft. Und auch im Gestein zeigt sich diese Stärke, denn der quarzgebundene Sandstein ist nach dem Granit so ziemlich das härteste, was einem unter den Meißel kommen kann und wenn man mit gewöhnlichen schmiedeeisernen Werkzeugen arbeitet, ist man damit öfter am Schleifstein und am Schmiedefeuer als am Stein selbst.

Eines ist bei den Sandsteinen noch zu beachten. In allen können sogenannte Einschlüsse auftreten. Oftmals handelt es sich dabei um Holzstückchen die meist versteinert oder zu Kohle geworden sind. Sie sind eigentlich im Innern des Steines verborgen, können aber durch die Bearbeitung ganz unverhofft an der Oberfläche auftreten. Daher sollte Sandstein nicht unbedingt für Statuen verwendet werden, da diese ihre eigene unverfälschte Botschaft tragen sollen. Die Einschlüsse sind wie die dunklen Flecken auf der Seele eines leidgeprüften Menschen. Wie die Dinge, über die man nicht gerne spricht.. Wenn sie schon versteinert sind, kann man sie vorsichtig überarbeiten und sie geben der Oberfläche ihr ganz eigenes Signum, quasi als Erinnerung an vergangene Zeiten, die nicht mehr weh tun. Bei den weicheren Sandsteinen ist aber die Kohle häufiger und manchmal ist das Holz sogar noch als solches erhalten. Hier ist es am Steinmetz, wie er damit umgeht. Wenn möglich, sollte die Stelle übersehen werden, um keine tiefe Wunde zu reißen. Möglicherweise ist aber eine geschlossene Oberfläche notwendig, oder der Einschluß droht, von allein heraus zu bröseln. Dann kann man die Stelle mit einem scharfen Beizeisen, einem Flachmeißel mit schlanker, schmaler Schneide unter 2 cm Breite, sauber ausarbeiten und mit einer dem Stein angepaßten Mischung aus Sand und Kalk füllen. Die Parallelen zum Umgang mit psychisch angeschlagenen Menschen sind einfach verblüffend. Das offene Problem mit großer Sorgfalt und Rücksicht herausarbeiten und für die erfolgreiche Bewältigung eine passende und ausfüllende Alternative anbieten.

Sind solche Menschen dann erstmal in Sicherheit, so sind sie ein großer Gewinn für die Gemeinschaft. Ihr Leben birgt einen gewaltigen Schatz an Erfahrungen, aus dem die Unbehelligten lernen können und die Notleidenden Hoffnung für ihren eigenen Weg schöpfen. Sie können denen, die es noch zu heilen gilt eine starke Stütze sein, weil sie sich am besten in deren Situation hineinversetzen können. Wo sonst ist der beste Platz für sie, wenn nicht in unserer Mitte.

Bims und Lava: Hin und wieder kommt es vor, daß Magma bis an die Erdoberfläche dringt und dort sehr schnell und ohne Druck abkühlt. Dieses Gestein ist extrem spröde und porös. Wie erstarrter Schaum und denkbar ungeeignet für eine steinmetzmäßige Bearbeitung mit Hammer und Meißel. Es ist vergleichbar mit einem Mensch, der, soeben noch wohlbehütet im Kreise seiner Familie, plötzlich ausgestoßen oder von ihnen getrennt wird oder von klein auf garnicht lernen kann. Wir kennen sie alle. Die geistig Behinderten. Den Suchtkranken, der vielleicht sogar straffällig wird und mit dem keiner mehr etwas zu tun haben will. Der Vater, der durch eigenes Verschulden seine Familie verliert und daran zerbricht. Der Soldat, der als einziger Überlebender vom Schlachtfeld kommt und nur noch Leere in den Augen hat. Oder das Kind, das mit einem Schlag zur Waise wird. Dieses Herausreißen oder Trennen kann so grausam sein, daß der Betroffene jeglichen Halt und Bezug zur Realität verliert. Die kleinste unsanfte Berührung kann schon Schaden an ihm anrichten. So wie ein Lavabrocken in der Hand zerkrümelt. Man darf sie nicht dazu anhalten, an sich zu arbeiten. Was sie brauchen ist Frieden, Ruhe und Zeit.

Doch jeder soll seinen Platz haben, also auch sie. Doch wo? Sie müssen ständig beschützt und umsorgt werden und können keine Lasten tragen. Es scheint fast unmöglich, ihnen eine sinnvolle Verwendung zuzuordnen.

Aber eben nur fast. Die ausgeprägte Porosität, die den Stein eigentlich unbrauchbar macht, trägt wie alles auch etwas Gutes in sich. Dieses Gestein besitzt nämlich einen außerordentlich hohen Wärmedämmfaktor. Wenn also die Außenwände zweischalig aufgebaut sind und zwischen äußerer und innerer Schale sich ein Zwischeraum befindet, warum sollte man ihn nicht mit einem guten Wärmedämm-Material füllen?

Auf den Mensch bezogen sehe ich das genauso. Eine starke Gemeinschaft soll die Schwachen und Kranken beschützen und für sie da sein. Die Starken, also der Porphyr zum Beispiel, schützen nach außen vor schädlichen Einflüssen. Sie geben den nötigen physischen Halt. Und im Inneren haben wir Sandsteine vorgemauert. Menschen, die selbst viel erlebt und erlitten haben und neuen Halt fanden. Ihre Erfahrungen ermöglichen es ihnen, sich voll und ganz auf die Ängste und Schmerzen der Gestrandeten einzustellen. Sie verstehen das Leid, weil es Teil ihres Lebens war. Doch sie haben es überwunden und liefern damit den Beweis, daß es immer einen Grund für Hoffnung gibt. Die Sandsteine sind somit die ideale psychische Stütze.

Wohl behütet und umsorgt können die Verwundeten nun ausruhen und Frieden finden. Und dabei sind sie keineswegs nutzloser Balast. Sie geben den anderen Steinen durch ihre bloße Existenz eine Aufgabe. Geben den Menschen das Gefühl, etwas Gutes zu tun und manchmal kommt auch ein leises Dankeschön von ihnen. Das ist die Wärme, die sie im Innern des Tempels halten. Die stete Aufforderung, brüderliche Liebe zu üben und für die Schwachen zu sorgen, ohne mit einer Gegenleistung zu rechnen. Beständig Wärme auszustrahlen, die sie dann aufnehmen können.

Schiefer: Bei Schiefer handelt es sich um sogenanntes metamorphes ,also umgewandeltes Gestein. Es entsteht, indem bereits fertiges Gestein durch Bewegungen in der Erdkruste wieder dem gesteinsbildenden Prozeß im Inneren zugeführt wird. Es sind also gewaltige Kräfte am Wirken und in der Folge verändern sich Eigenschaften und Ausehen des ursprünglichen Gesteins. Es wird starker Hitze und immensem Druck ausgesetzt und verwandelt sich. Es gibt unterschiedliche Ergebnisse dieser Verwandlungen, die sowohl vom Ausgangsmaterial, als auch von der Höhe der Temperatur und des Druckes abhängen. Bei Schiefer bilden sich klare Schichten heraus, von denen jede einzelne ihre typische unebene Oberfläche besitzt, egal wie oft man den Block auch spaltet. Ohne moderne Maschinen ist eine Oberflächenbearbeitung bei Schiefer nicht möglich. Doch welche Kräfte könnten einen Menschen derart verwandeln, daß er nicht mehr an sich arbeiten kann? Ganz gleich, welche Methode man auch anwendet, am Ende ist es wieder nur eine flache Steinscheibe, deren Oberfläche huckelig und buckelig ist.

Es ist die Kraft der Überzeugung. Hervorgerufen durch Stolz, Geltungswahn, Starrsinn oder Gehirnwäsche. In diesem Wandlungsprozeß entstehen Fundamentalisten, Radikale, Faschisten und Betonköpfe. Das Abblättern der Schichten, die keine Bearbeitung zulassen und immer wieder ihre Unebenheit durchsetzen, symbolisiert die Intoleranz.

Je stärker die Verbindung unter den Schichten ist, oder je fester die einzelnen Anhänger aufeinander eingeschworen sind, desto schwerer lassen sie sich voneinander trennen. Doch im Allgemeinen reicht ein gezielter Schlag, um eine Spaltung hervor zu rufen. Ähnlich beispielsweise einer fanatischen Religionsgemeinschaft, die plötzlich mit der Realität und der Wahrheit konfrontiert wird. Es wird in der Folge unterschiedliche Bestrebungen geben, diese Fakten in die bestehende Geisteshaltung einzubauen, zu verfälschen oder als unwahr hinzustellen. Die Gruppe spaltet sich. Doch jedes Teil ist wieder nur ein Abbild des gesamten Blocks. Wie kann man solche Menschen integrieren, die sich selbst ins Abseits stellen und stur auf ihren Ansichten beharren? Wo soll man so einen Stein verbauen?

Mein erster Gedanke war das Dach. Schieferdeckung ist nicht unüblich und war daher naheliegend. Doch um am Tempel Verwendung zu finden, muß sich der Stein zumindest etwas anpassen wollen und darf nicht zur Toleranz gezwungen werden. Für Intoleranz ist kein Platz. Der Stein soll mit Hilfe von Mörtel mit den anderen verbunden werden. In jeden Schiefer müßte man aber statt dessen ein Loch bohren und ihn an der Dachlattung annageln. Das ist aus meiner Sicht Vergewaltigung der Natur des Steines. Obendrein ist Schiefer auch noch schwer und würde die Dachkonstruktion zusätzlich belasten. Wie auch ein solcher Mensch eine erhebliche Belastung für die übrige Gemeinschaft darstellt. Doch wenn Schiefer nicht am Dach Verwendung findet muß es einen anderen Ort geben, denn jedes Gestein ist für irgend eine Aufgabe das richtige.

Also frage ich noch einmal, was ist Schiefer oder besser, was sind das für Menschen? Sie haben sich doch auch einmal auf den Weg gemacht. Haben Antworten gesucht oder eine Aufgabe. Haben sich auf den Weg der Selbstfindung begeben. Doch sie kamen nicht voran. Irgendwo unterwegs ging etwas schief. Etwas führte sie weg vom Licht und sie verliefen sich oder blieben stehen. Sie irren umher auf dem musivischen Pflaster und sagen jedem, daß dies die einzig wahre Welt sei. Sie sind blind für die drei Stufen und selbst wenn sie sich an ihnen stießen würden sie eher absichtlich ins Verderben rennen, als ihren Irrtum einzugestehen.

Doch die Verirrten können dennoch nützlich sein. Sie bevölkern den Vorhof des Tempels und lenken die Aufmerksamkeit der Menschen auf Dinge, die über dem Materiellen stehen. Sie animieren ihre Mitmenschen, zum Suchenden zu werden. Und sie sind ein lebendiger Beweis für die Gefahren, die auf dem Weg zur Erkenntnis lauern. Beachten und beobachten wir sie also. Mit einem argwöhnisch wachsamen Auge. Das andere Auge jedoch ist voll der Trauer über einen verlöschenden Funken und im Herzen wohnt die Hoffnung, daß das verlorene Schaf doch noch rechtzeitig nach Hause findet.

Also ist ein guter Platz für die Schieferplatten der Weg zum Tempel. Verlegt in Sandkörnchen. Die Opfer von Verfolgung und Tyrannei. Denn es sind ihre Sandkörnchen. Die Schuld, die sie ständig umgibt und der sie sich nicht entziehen können. So soll ihr Dasein uns Mahnung sein und uns die Gefahren des Weges vor Augen halten. Und sie können in dem Suchenden die Ahnung auslösen, daß da noch mehr zu finden ist, wenn man den Versuchungen unterwegs widersteht.

Doch damit bleibt die Frage nach dem Material für das Dach ungeklärt. Wenn nicht Schiefer, was dann?

Ziegel aus Lehm: Anders als die Natursteine werden Ziegel von Menschen geschaffen. Das Rohmaterial ist allerdings trotzdem natürlich. Ziegel sind gebrannter Lehm. Durch das Feuer des Brennofens sintert der Ton und verfestigt sich. Genauso wie der erste Mensch, der durch das ewige Feuer geschaffen wurde. Es ist materialisierte, verfestigte und lebendige Information.

Ziegel sind leichter als Schiefer und lassen sich in jede erdenkliche Form bringen. Auf der Dachkonstruktion aufgelegt finden sie Halt durch sich selbst und werden mittels Kalkmörtel von innen verstrichen. Dieser Kalkverstrich bewirkt einerseits eine bessere Abdichtung des Daches und verbindet gleichzeitig die Ziegel untereinander. Werden die Dachsteine also fachgerecht hergestellt und verarbeitet, dann können sie, obwohl sie so leicht sind, Wind und Wetter widerstehen. Man muß nur für die notwendige Verbindung sorgen. Wie den Menschen gegenüber, die diesem Bild entsprechen.

Gleich dem Ziegel sind sie ebenfalls das „Produkt“ der menschlichen Gesellschaft. Es sind die rastlosen Freigeister, die ständig auf der Suche sind. Immer von materiellen Belangen der Zivilisation belagert und angeödet spüren sie den Drang, auszubrechen um neue Wege und höhere Ziele zu entdecken. So leicht wie die Ziegel ist ihr Gemüt. Sie wollen nicht Einfluß nehmen oder treibende Kraft sein. Sie wollen nur verstehen und akzeptiert werden. Dafür sind sie bereit, sich schnell anzupassen - also ihre Form zu ändern. Die Gemeinschaft, der sie sich gerade anschließen wollen, ist ihnen wichtiger als das eigene Ego. Sogar auf ihren eigenen Willen sind sie bereit, zu verzichten, wenn sie die erwählte Gemeinschaft als gut empfinden und fügen sich widerstandslos ein. Manchmal werden sie als wankelmütig und unentschlossen verkannt und tatsächlich ändern sie ihre Meinung und Ansichten oft häufiger als andere das Hemd. Vielleicht sind sie aber gerade die Entschlossensten unter uns. Die eifrigsten und tolerantesten Suchenden, die nur das für sie richtige Ziel noch nicht gefunden haben und deshalb für alles Neue offen sind.

Das ist das richtige Gestein für ein Dach. Es belastet nicht sondern bereichert das Ganze. Man muß sie nur einfangen die Blätter im Wind. Ihnen das Gefühl schenken, willkommen zu sein. Wenn die Gemeinschaft es versteht, sie zu binden, zu faszinieren und ihnen obendrein Raum zur freien Entfaltung läßt, dann werden sie den nächsten Windstoß nicht zum Wegfliegen und Weitersuchen nutzen. Sie werden bleiben und das gefundene Glück voll Freude nach außen abstrahlen wie ein leuchtend rotes Ziegeldach in der Frühjahrssonne.

Gneise: Mit ihren zahlreichen Arten gehören die Gneise ebenfalls zu den metamorphen Gesteinen. Anders als Schiefer geraten sie jedoch in weit tiefere Erdschichten und werden, abhängig von der Temperatur, teilweise umgeschmolzen. Das so entstehende Gestein zeichnet sich durch eine weitestgehend gleichmäßige Struktur und Dichte aus. Gneise sind außerordentlich fest und stellen einen ausgezeichneten Werkstein dar, der in seinen Eigenschaften den Graniten ähnelt. Dabei läßt der fertige Gneis dennoch sein ursprüngliches Gestein und sein früheres Aussehen erkennen. Oft vermischt sich das Gestein in zähflüssigem Zustand mit anderen Mineralgemischen, also Gesteinsarten. Das Produkt ist manchmal von umwerfender Schönheit. Fest miteinander verbunden, wie aus einem Guß, bleiben dennoch die unterschiedlichen Ausgangsmaterialien sichtbar. Der Gneis mit dem Handelsnamen Paradiso ist so ein Beispiel von vielen. Durch eine Politur oder an der bruchrauhen Fläche entsteht ein wahres Feuerwerk an Farben und Formen. Wie bei verschiedenfarbigen, ineinander gekneteten Teigsorten entstehen Äderungen, Wölkchen und Streifen, die sich in violett, grün, blau, rot, schwarz und weiß voneinander absetzen und doch vereint sind. Eine große, polierte Platte aus einem farbintensiven Gneis wirkt wie ein Bild voller Harmonie.

Man könnte ihn mit den Gelehrten, Malern, Dichtern und Denkern vergleichen. Jeder Einfluß, jeder neue Denkansatz und jede Erfahrung hinterläßt ihre ganz eigene Farbe in dem Menschen ohne eine Trennung auszulösen. Sie wird verarbeitet, integriert und zum festen Bestandteil. Dieses Sammeln von Informationen und Erfahrungen löst in solchen Menschen keinen Konflikt oder Zwiespalt aus. Es bereichert sie.

Ein Gneis bleibt eben bearbeitbar, belehrbar und offen für alles was ihn noch erwartet. Und diesen erarbeiteten Schatz an Wissen wollen sie mit uns teilen.

Natürlich könnte man das gesamte Bauwerk aus ihnen herstellen. Nahezu jede Oberflächenbearbeitung kann ihnen zugemutet werden und auch fast jede Form. Nur sind sie zu wertvoll, um im Mauerwerk oder im Fundament zu verschwinden. Außerdem brauchen wir auch genügend Raum für all die anderen Steine. Der beste Einsatzort für sie ist dort, wo man ihnen ständig begenet. Auch die Oberfläche soll so gestaltet werden, daß sie ihre volle Schönheit entfalten kann. Demnach ist ein Bodenbelag aus polierten Gneisplatten genau das richtige. Allgegenwärtig lassen sie jeden, der mit ihnen in Berührung kommt, teilhaben an ihrem Wissen und ihren Geschichten. Sie erfreuen und erbauen den Betrachter oder Leser. Aber man muß sich ihnen widmen, ihnen zuhören. Sie brauchen die Aufmerksamkeit ihrer Zeitgenossen. Sie sind ein Schatz, der geliebt und verstanden werden will.

Anders ausgedrückt bedeutet dies, daß die Bildung und die Kunst zwei äußerst wichtige Bestandteile menschlichen Lebens sind. Ohne sie wäre unsere Zivilisation undenkbar. Beachtet man sie nicht mit gebührendem Respekt oder vernachlässigt sie sogar, kann dies einen rapiden Werteverfall auslösen.

Genau wie der Mensch, der zu schnell und unaufmerksam über den polierten Boden des Lebens beziehungsweise des Tempels eilt und ihn mißachtet, also alltagsblind für die Kunst und die Wissenschaft ist. Sinnbildlich ein wenig Wasser oder Schnee am Schuh und schwupp, schon kommt es zum Fall auf den Allerwertesten. Zu einem Wertefall eben.

Kalk und Kalkstein: Kalk existiert eigentlich überall. In der Erde, im Wasser und sogar in Lebewesen. Kalk ist wie die Liebe. Er verbindet, kann stark und fest sein und ist sogar lebensnotwendig. Das Calcium der Zähne und Knochen ist nichts anderes als sauberer Kalk. Schädliche Einflüsse können ihn auflösen. Aus den Zähnen, aus den Knochen, zwischen miteinander verbundenen Steinen oder in Form von Liebe die erkaltet.

Aber nichts kann den Kalk auslöschen. Einmal in Lösung braucht er nur etwas zu finden, woran er sich binden kann, notfalls sich selbst und schon hat er sich wieder manifestiert. Die Bindung durch den Kalk kann höchst dauerhaft sein, wenn sie gepflegt und beschützt wird. Das Zähneputzen ist also wie die Pflege einer zwischenmenschliche Beziehung. Wird die Liebe zur Nebensache und außen vor gelassen, sozusagen schutzlos der Witterung ausgesetzt, dann wird sie sich langsam lösen und ihre Binderkraft verlieren. Die eben noch verbundenen Steinchen gehen wieder getrennte Wege.

Die Liebe aber bleibt in der Welt wie der gelöste Kalk im Wasser und wartet nur darauf, erneut etwas miteinander zu verbinden. Finden sich Menschen zusammen, dann soll Liebe zwischen ihnen sein. Sie bildet mit allen Körnchen zusammen den Mörtel – die Toleranz.

Toleranz ist das Betonen und Wertschätzen der Gemeinsamkeiten aus Liebe zur Gemeinschaft und läßt uns über das Trennende erhaben hinwegsehen.

Überwiegen aber die Unterschiede zu stark, haben also die Mauersteine keine annähernd glatten Fugenflächen, so wird diese Toleranz auf eine harte Probe gestellt. Es bedarf mehr Liebe, mehr Mörtel und mehr Toleranz. Die Mörtelfuge wird breiter und irgendwann stößt diese Breite an die Grenz des Machbaren. Sei es ein Verhalten, das bei aller Liebe nicht mehr toleriert werden kann und die Verbindung gefährdet, oder sei es eine hervorstehende Ecke des Steines, die die Fuge übermäßig vergrößert. Ab einer gewissen Fugenbreite kann der Mörtel die Stabilität der Verbindung nicht mehr aufrecht erhalten und bekommt Risse.

Was ist nun Kalkstein?

Kalkstein gehört mit all seinen Arten zu den Sedimentgesteinen, ist also das Produkt aus abgelagertem, sedimentiertem Kalk, der sich unter Druck verfestigt. Im allgemeinen geschieht dies in Bodensenken aus denen allmählich das Wasser entweicht, also ehemaligen Meeresböden, oder in Hohlräumen. Dabei bindet der Kalk alles, was ihn umgibt, mit ein und der Kalkstein ist entstanden. Diese „Zutaten“ sind recht unterschiedlich was Farbe und Struktur angeht. Im Muschelkalk findet man unzählige, erhaltene Muschelschalen. Im Jura-Kalkstein, der seinen Namen von seiner Entstehungszeit übernahm, findet man Fossilien von Urtierchen, Kalmaren, prähistorischen Muscheln und ähnliches. Die verschiedenen Farben des Kalksteins kommen von Mineralen, die während der Sedimentation mit einflossen. Wie die Hautfarbe der Menschen reichen sie von zartrosa, fast weiß, über gelblich braun und rötlich braun bis hin zu schwarz. Doch ganz gleich, welche Farbe es auch sei. Ritzt man mit einem Nagel in die Oberfläche des Kalksteines entsteht ein weißer Strich. So wie das Blut aller Menschen eben rot ist. Äußerlich so mannigfaltig und doch im Grunde ein und das selbe. Es ist die verfestigte Quintessenz des Lebens. Greifbar gewordene Liebe.

Täglich können wir solchen Menschen begegnen, die einem auf Anhieb sympathisch sind. Deren Lächeln uns verzaubert und bei denen wir uns sofort geborgen fühlen, selbst wenn wir sie eben erst kennenlernten. Ihre Güte und Liebe strahlt von ihnen aus wie der Schein einer Kerze. Sie sind da, wenn man sie braucht, helfen wo sie nur können und sind eine verläßliche Stütze der Gemeinschaft. Ihre Aufgeschlossenheit ermöglicht ihnen die unablässige Arbeit an sich selbst und der Gemeinschaft zuliebe passen sie sich allen möglichen Umständen an. Sie verfügen über ein immenses Potential an Einfühlungsvermögen.

Es ist also nicht verwunderlich, daß Kalkstein leicht bearbeitbar ist und wirklich jede Oberflächenbearbeitung zuläßt. Ob nun bruchrauh oder gespitzt, gezahnt oder gestockt, schariert oder gekrönelt, geschliffen oder gar poliert. Die Einsatzmöglichkeiten sind äußerst vielfältig. Doch das Bauwerk nähert sich langsam der Vollendung. Viele Gesteine haben ihren Platz bereits eingenommen. Wohin also mit dem Kalkstein?

Im Inneren des Gebäudes sollte es sein, denn die Zeiten sind rauher geworden. So wie der Regen heutzutage sauer ist und den Kalk auflöst, genauso schadet die Ellenbogengesellschaft dem liebenden Mensch. Auch wenn er es sich nicht anmerken läßt, so stimmt es ihn doch hin und wieder traurig und er kapselt sich ein. Der Kalkstein tut dies ebenfalls. Er schützt sich gegen die Säure, indem seine äußerste Schicht sich von Calciumkarbonat in Calciumsulfat, also Gips umwandelt. Diese Gipsschicht oder auch Patina genannt sieht zwar nicht mehr so schön aus und wirkt eher schmutzig und rauh, schützt aber den Stein vor weiterem Verfall. Es ist die rauhe Schale, hinter der sich ein weicher Kern verbirgt.

Aber ist es nicht schöner, sein Wesen offen zu spüren? Seine Wärme zu fühlen und die Schönheit zu sehen? Ich denke schon und deshalb ist es besser, ihn in unserer Mitte also im Inneren zu haben. All die Säulen und Treppenwangen mit ihren kunstvoll gestalteten Balustraden sind dem Kalkstein der rechte Ort. Hier ist er allgegenwärtig und verbindet das Untere mit dem Oberen, das Gewöhnliche mit dem Besonderen. Etage für Etage zieht sich damit die Liebe durch unseren Weg ins Mysterium.

Die Liebe, die solch ein Mensch in sich trägt ist so groß, daß er sogar zum Lieben bis hin zur Selbstaufgabe fähig ist. Wird er gebraucht, so verwandelt er sich wieder in freie, selbstlose, verbindende Liebe. Je heißer sie brennt, desto stärker kann sie wirken. Dies ist keine Floskel ohne Bezug zum Stein denn wird der Kalkstein gebrannt, so erhält man wieder Kalk für den Mörtel. Nur zu heiß sollte man nicht brennen, sonst entsteht Zement. Als Bindemittel ist er zu fest und kann das weichere Gestein, das er verbinden soll, beschädigen. Wie die Liebe, wenn sie übertrieben wird und ins Klammern übergeht, Schaden anrichten kann.

Eine besondere Form des Kalksteines ist der Onyx

Er entsteht in unterirdischen, von allen materiellen Belangen der Welt beschützten Höhlen an heißen Quellen. Der gelöste Kalk sintert. Er trägt Spuren aller erdenklichen Minerale in sich, doch nur ihre Farbe. Es ist reinster Kalk. Bunt wie der Regenbogen und teilweise sogar durchsichtig. Onyx ist so selten, daß er nur mit Sondergenehmignugen gefördert und verarbeitet werden darf. Wenn überhaupt, dann stellt man daraus allerhöchstens dünnste Fliesen her, die als Zierstreifen im Verband mit anderen Gesteinen verlegt werden. Ein ganzes Bad mit Onyxplatten währe so teuer wie das ganze übrige Gebäude und blasphemische Verschwendung.

Es gibt solche Menschen. Sie sind Fleisch gewordene, reine Liebe. Es sind die Lichtwesen und wir finden sie immer da, wo sie am dringensten gebraucht werden. Nur ihre Zahl ist nicht groß. Umso größer ist das, was sie uns geben.

Einer von ihnen gab den Menschen neue Hoffnung und zeigte ihnen das Licht, als sie es am nötigsten brauchten. In der längsten Nacht des Jahres, damals vor 2005 Jahren, trat er in unsere Mitte und was er uns gelehrt hat wird leuchten bis ans Ende der Zeit.

Eine andere erschien vor etwa 100 Jahren. Sie wirkte in Kalkutta in Indien und kümmerte sich um die Ärmsten der Armen. Wer könnte Dich jemals vergessen, Mutter Theresa!

Marmor: So vielfältig bunt wie der Kalkstein ist der Marmor. Im Grunde ist es auch Kalkstein. Marmor gehört zu den metamorphen Gesteinen und entsteht aus Kalkstein der durch erdinnere Kräfte wieder in tiefere Erdschichten gelangt. Hier geschieht etwas ganz wunderbares mit dem Kalkstein. Statt zu verbrennen und zu Kalk zu werden verwandelt er sich. Nötig dazu ist Wärme und Druck. Doch das scheint nicht alles zu sein. Irgendeine Kraft bewirkt, daß der Kalk damit beginnt, zu kristallisieren. Jedes einzelne Kristall ähnelt eher dem Quarz und bleibt doch Kalk. Was war das Gleichnis für Quarz, wie ich es bei den Sandsteinen darstellte? Die Bindung aus sich selbst. Das Vertrauen auf etwas was man im Innersten mit sich trägt.

Die Bindung aus sich selbst ist für den Kalkstein die Liebe. Das ist die zusätzliche Kraft, die nötig ist, um ein Kristall zu Formen. Es ist das grenzenlose Vertrauen in die unendlich große Liebe des Großen Baumeisters aller Welten. Er hat die Kraft, uns zu verwandeln. Doch diese Metamorphose vollzieht sich nicht ausschließlich durch äußeren Einfluß. Erst unsere innere Bereitschaft, unser Erkennenwollen ermöglicht dieses Wunder.

Was dann entsteht ist ein Gestein oder Mensch, der nicht nur seinen Platz in der Gemeinschaft findet, sondern sie immer wieder neu erschafft. Das Herzstück des Tempels. Die Verbindung aus Weisheit durch Erkenntnis, Stärke durch Intelligenz und Schönheit durch Liebe.

Der Weg dorthin ist so schwer wie leicht. Alles was man dafür braucht ist ein wahrhaft liebendes Herz, einen klaren Verstand ohne Vorurteile und ein reiner Glaube jenseits aller Dogmen.

Dieser Marmor, ob nun schwarz oder weiß, ob gelb, braun oder rot, ist der Stein für den Altar. Ein Mensch, der diesem Bild gerecht wird soll die Gemeinschaft führen. Ein solcher König wird seine Macht niemals gegen sein Volk richten. Dafür liebt er es viel zu sehr. Und solche Menschen gab es, gibt es und wird es geben. Man muß sie nur finden. Machen wir aus Marmor Statuen von denen, die schon gewesen sind als Zeichen für die die noch kommen werden. Allmählich werden sich die Hallen des Tempels mit ihnen füllen. Mit Rosenkreuzern und Templern, mit Statuen von Nostradamus, Jeanne d´Arc und Karl dem Großen. Mit Brüdern und Schwestern im Geiste. –

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Meine Reise durch die Gesteinswelt und unser Dasein nähert sich dem Ende. Doch sie bliebe unvollendet, wenn sich der Kreis nicht schließt. Laßt uns also gemeinsam den Kreis vollenden. Wie jeder Mensch sich ändern kann so ändert sich auch der Stein fortwährend und damit auch der Tempel. Ein Mensch, der heute noch gebrochen in seinen Tränen gegen das Ertrinken kämpft, kann morgen schon der Fels in der Brandung sein. Der irrende, der gestern noch in dunklen Scheinwelten gefangen war, kann heute schon das wahre Licht erkennen und morgen selbst beginnen zu strahlen.

Der Granit, der Sturm und Kälte trotzt, wird eines Tages doch im Meer als Sandkorn landen. Dort ruht er bis zu jenem Tag, an dem eine Aufgabe, Liebe oder Glaube ihn mit neuem Leben erfüllt. Emporgehoben tritt er ein in sein neues Dasein und sammelt erneut Erfahrung. Der Regen des Lebens wird ihn auswaschen und ein Teil seiner selbst wird mit dem Kalk gemeinsam neue Wege gehen. Doch eben noch körperlos und aufgelöst sucht er schon bald eine neue Form, in der er sich manifestieren kann und wird vielleicht als Kalkstein wiedergeboren.

Es ist der endlose Kreislauf des Lebens, die Spur der Steine, unsere Geschichte. Und hin und wieder wird ein Onyx entstehen. Wird den Menschen das Licht bringen um dann in dieses einzugehen. Zurück zu dem, aus dem er vor tausenden von Jahren kam. Erfüllt mit Freude, Weisheit und Liebe – heiß geliebt und herzlich empfangen als Sohn vom VATER.

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Zum Abschluß fragt sich sicher mancher, welch Stein wohl grad der meine ist. Doch diese Antwort kann ich Euch nicht geben. Es ist mir nicht bestimmt, lebende Menschen zu bewerten, weder mich noch andere. Wer würde es wagen, das eigene Urteil über das des VATERS zu stellen. Er allein wird entscheiden, welcher Platz der meine ist. Das Einzige, was mir gegeben wurde ist die Gabe des Hörens und des Lernens. Sie zu nutzen, damit andere davon profitieren ist mein Weg. Also lausche ich, was sie mich lehren können.

Die Steine, die Menschen und über allem - der VATER.

Infos zum Autor: Br. Andreas, geb. 1975, arbeitet als Steinmetz und ist seit 2004 Mitglied der "Neuen Werkstatt".